Jahreslosung 2021: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36)


Liebe Gemeinde,

die Gedanken für diese Gemeindebriefandacht kamen mir, als ich in meinem Garten stand und Stachelbeeren pflückte. Ich weiß nicht, wie oft es mir passierte, dass ich auch nur ein ganz kleines Stück daneben griff und schon war es wieder passiert. Aua! Diese Stacheln! Natürlich weiß ich, dass die Dornen an Stachelbeeren, Brombeeren und anderen Sträuchern wichtig für die Pflanzen sind, um sie zu schützen. Aber wenn man so im Garten steht und in Gedanken bereits einen Stachelbeerkuchen bäckt, kann man schon mal auf die Idee kommen: Dieser Strauch will mir die Früchte nicht gönnen. Und es ist ja so, wenn ich das Stechen nicht riskieren will, darf ich eben nicht ernten. Aber wenn ich ernte und der Strauch mir seine Früchte gibt, wird Freude über die Ernte (nicht nur beim Kuchenessen). Wenn der Strauch aber noch mehr stacheln würde und seine Früchte behielte, wären sie ihm nur wenig nütze. Die meisten würden verfault abfallen.

Diese kleine Begebenheit erinnerte mich an den Monatsspruch vom September. Er steht beim Propheten Haggai. Dieser spricht das Volk Israel an, als die Menschen gerade mit dem Aufbau ihrer Häuser nach der Zerstörung durch die Babylonier beschäftigt waren. 70 Jahre Gefangenschaft lagen hinter ihnen. Als sie dann aus Babylon nach Hause kamen, fanden sie nur zerstörte Häuser vor. Und nun beginnen sie aufzubauen. Als das Wohnhaus fertig ist, bauen sie weiter. Da sind noch viele Verschönerungsarbeiten zu tun, mancher Komfort reizt zum Erwerb. Sie haben einfach keine Zeit, sich dem Aufruf zum Wiederaufbau des Tempels anzuschließen. Das eigene Heim hat verständlicherweise Vorrang. So logisch das auf dem ersten Blick scheint, so zeigt doch Haggai deutlich auf, dass sich bei den Bewohnern von Jerusalem die Prioritäten verschoben haben. Erst komm ich und dann noch mal ich, und dann … Es ist, als würden sie die Stacheln ausfahren, um wieder zum Bild der Stachelbeerernte zurückzukehren. Ja nichts abgeben, es könnte mir ja fehlen.

Und da spricht Haggai im Auftrag Gottes deutliche Worte zu ihnen:

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt‘s in einen löchrigen Beutel.“ (Haggai 1,6 – Monatsspruch September)

Ich möchte diese harten Worte mal so zusammenfassen: Da liegt kein Segen drauf! Ihr denkt immer nur an euch, rafft ängstlich alles zusammen – Hauptsache ihr habt. Ihr findet immer Gründe, weshalb dies und jenes gerade wichtiger ist, als Zeit für Gott zu haben. Und der Tempel, das Haus Gottes, interessiert euch nicht.

Wenn Sie diese Worte lesen, ist die Stachelbeerernte längst vorbei. Aber eine Frage bleibt: Welchen Platz räume ich Gott in meinem Leben ein? Hat er einen festen Stammplatz? Lesen Sie doch einfach mal in einer ruhigen Minute beim Propheten Haggai Kapitel 1,1-11. Gott verheißt Segen, wenn er in unserem Leben einen festen Platz haben kann und wir Zeit in die Beziehung zu ihm investieren.

Eine wunderschöne Sommer- und Urlaubszeit wünsche ich ihnen und viel Freude an Blumen, Früchten und allem, was in unserer schönen Natur wächst.

Ihre Pfarrerin Regina Regel