Jahreslosung 2021: „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36)

Jahreslosung 2021: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Johannes 6,37)


Monatsspruch Dezember: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“ (Sacharja 2,14)

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, wie oft in der Bibel zu lesen ist, dass Gott bei uns wohnt, bzw. wohnen will. Auch der Tagesspruch für die beiden Weihnachtsfeiertage sagt das:

„Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)

„Wohnen“ ist etwas anderes als „zu Besuch sein“. Also, wenn ich Besuch erwarte, dann schaue ich, dass die Wohnung aufgeräumt ist. Der Besuch hat dann auch nicht gerade Zutritt zu meinem Schlafzimmer und im Zweifelsfall stecke ich dort fix mal was rein, was der Gast nicht sehen soll. Ich gehe mal davon aus, dass dies bei euch nicht viel anders ist, zumindest bei den Frauen unter uns.

Wenn man jedoch zusammen wohnt, ist das anders. Da hat man keine Geheimnisse vor einander und kann das auch nicht haben. Jeder hat Zutritt zu allen Ecken im Haus. Und wenn alles gut geht, räumt einer auch mal den Müll des Anderen hinaus.

Was bedeutet das nun, bezogen auf Gottes Wohnen bei uns? Das bedeutet vor allem, dass es meine Bereitschaft braucht, Gott nicht nur die Sofaecke meines Lebens zuzuweisen oder ihn an den ordentlich gedeckten Sonntagstisch zu platzieren, an dem ich Gott zeige, wie wunderbar bei mir alles klappt. Wohnen bedeutet: Gott ist wirklich in meinem Leben zu Hause. Er kennt die düsteren Ecken meines Alltags. Er kommt dazu, wenn ich gerade dabei bin, mit Ärger im Gesicht die Scherben einer Freundschaft zu beseitigen. Er sieht ebenso wie ich die Stellen, an denen ich jedes Mal mit dem Gedanken: „Das hätte ich doch längst schon …“ vorbeigehe. Und er hat Zugriff auf die Erinnerungsfotos, die ich sorgsam versteckt halte. Andererseits werde ich Gott auch näher kennen lernen, wenn er nicht nur sonntags mal vorbeischauen darf. Ich erlebe, was ihn freut, worüber er traurig ist, was ihn verletzt. Und erlebe, dass er mir hilft und sich mit mir freut, wenn mein Lebenshaus gemütlich und eben ein richtiges Zuhause zum Wohlfühlen ist. Und da kommt er nicht mit Forderungen, sondern wir packen gemeinsam an: beim Hausputz, bei der Tiefenreinigung, bei Plänen und Umgestaltung für die Zukunft, beim Feiern und Genießen. Es ist eben wie in einer guten Wohngemeinschaft.

Dazu brauche ich aber Vertrauen. Nicht jeden werde ich in meiner Wohnung ein Zuhause geben. Um dieses Vertrauen wirbt er, indem er seinen Sohn Jesus Mensch werden lässt, ihn hineinschickt in unser menschliches Leben mit aller Freude und Unvollkommenheit. Er möchte mit uns unseren Alltag teilen und gestalten. Welch eine Freude!

Also: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ Lasst ihn herein!

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich uns allen und dass wir von unserem Herrn geführt durchs neue Jahr gehen.

Eure Pfarrerin Regina Regel