Jahreslosung 2022: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Johannes 6,37)


Liebe Gemeinde,

es gibt Bibelworte, über die wir normalerweise gern hinweglesen oder sie sogar ganz ignorieren. Dazu gehören auf jeden Fall die Gerichtsworte der Propheten. Gericht – das war damals, aber wir haben doch Jesus, so meinen wir. Und doch gibt es gerade dort immer wieder Verse, die mich nachdenklich machen. So z.B. der Monatsspruch von November, der aus so einer langen Gerichtsrede des Propheten Jesaja stammt:

„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!“ (Jesaja 5,20)

Formulieren wir den Satz einmal etwas um: Das wird uns nicht guttun, wenn wir Werte umkehren, sei es aus Bequemlichkeit oder weil es angeblich nicht mehr in unsere Zeit passt oder weil wir andere Vorstellungen von unserem Leben haben. Da wird kein Segen darauf liegen, wenn wir Gottes Wort verdrehen nach unseren eigenen Wünschen. Da werden wir es sogar mit Gott zu tun bekommen.
Ja, es sind harte Worte, aber wenn ich ein wenig darüber nachdenke, fallen mir viele Beispiele aus unserem ganz normalen Alltag ein, wo genau dieses getan wird und ganz normal scheint. Ganz oben liegt da für mich die Frage der Abtreibung, wo das Töten sogar zum „Menschenrecht“ erklärt wird und Gegner von vornherein die Bösen sind. Oder die Beliebigkeit in Fragen Sexualität und Ehe. Und wenn es mit Meinungsfreiheit begründet wird, einen anderen zu beschimpfen und mit Drohungen zu überschütten, dann fällt mir sofort das Gotteswort ein, nachdem ich reden soll, „was gut ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“ (Eph. 4,29)
Wir könnten wohl noch mehr Beispiele finden. Und so öffnet mir dieses Gotteswort zwar die Augen über manche Entwicklungen um uns herum und lässt mich hellhörig werden, aber das ändert leider nichts an der Situation unter uns Menschen. Im Gegenteil, nicht selten möchten wir fast mutlos werden, weil sich scheinbar nichts in unserer Gesellschaft bessert.

Aber genau da will ich wieder den Blick auf Gottes Wort lenken. Ja, es sind harte Gerichtsworte, aber ich beobachte immer wieder, dass Gottes Wort mich nicht deprimiert wie es Nachrichten oder Zeitungsmeldungen oft schaffen. Ich spüre, dass hinter Gottes Worten seine Liebe steht und durch sie hindurch spricht. Ich spüre sein unermütliches Werben um uns, das mich und uns letztlich zur Besinnung ruft, damit unser Zusammenleben schöner und liebevoller wird. So folgt auch auf das Kapitel mit unserem Monatsspruch der Bericht von der Berufung des Jesaja, der eben das Volk Gottes zur Besinnung rufen soll. Und kurz danach lesen wir eine der schönsten Verheißungen der Geburt von Jesus, die Ankündigung, dass eine Jungfrau schwanger werden wird und den Sohn Immanuel, d.h. „Gott mit uns“ gebären wird. Genau deshalb brauche ich auch harte Gottesworte nicht beiseite zu legen, sondern kann kritisch auf mein Leben schauen, mein eigenes Versagen bekennen und mich von Jesus Christus erneuern lassen. Sein Wort soll immer mehr unser Denken, Reden und Handeln bestimmen, seine Liebe durch uns hindurch scheinen. Das wünsche ich uns allen!

So grüße ich euch ganz herzlich
Eure Pfarrerin Regina Regel