Jahreslosung 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)


Monatsspruch November: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25)

Liebe Gemeinde,

er hat alles verloren. Es zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Er hat vieles verloren. Alle Reichtümer des Lebens. Seine Kinder. Jetzt hat er noch seine Gesundheit verloren. Er hat eine Frau zu Hause, die ihn ermutigt, von seinem Glauben an Gott abzuschwören. Immerhin kommen Freunde zu Besuch, die eine Woche lang mit ihm schweigen und in der Stille trauern. Doch dann fangen sie an, mit ihm zu sprechen. Es sollten Worte der Ermutigung sein. Ihre Absicht war sicher gut. Es sind eher giftige Pfeile, die das Leid in seinem Herz vergrößern. „Du bist selbst schuld an deinem Unglück! Du musst etwas falsch gemacht haben, wenn dich Gott so straft.“ So reden Elifas, Bildad und Zofar mit Hiob. „Der Fehler liegt bei dir, Hiob!“

Du musst schuld sein, wenn dir ein Unglück widerfährt. Gott bestraft doch niemanden, der ein gutes Leben führt. Solche Sätze verraten ihr gesamtes Denken: Dem Frommen geht es gut, aber dem, der Böses erleidet, derjenige muss Schuld auf sich geladen haben. Hilfreich ist das nicht, wenn einer leidet. Es verschlimmert die Lage der lebensmüden Seele.

Hiob reagiert darauf. Er lebt momentan im Tunnel und sieht nicht wirklich Licht. Womit habe ich das verdient? Eine Frage, die sich der eine oder andere gewiss schon gestellt hat. In seinem Leiden erkennt Hiob, wie kurz das Leben ist. Wie schnell fliegen doch die Tage und Stunden vorbei. Genau wie ein Hochgeschwindigkeitszug. Hiob führt eine Art Schattendasein. Es bleibt ihm im Leben nicht viel. Die geliebten Kinder und der ganze Hausstand sind verloren. Gerade im Leiden drängen sich die wichtigen Fragen des Lebens auf. Was zählt wirklich, wenn ich nur so kurz lebe? Das Schattendasein, das Leiden führt an die wichtigen Dinge des Lebens heran. Hiob kann in seinem Leid noch kein Licht im Dunkel sehen. Da ist wenig Hoffnung. Alles, was bisher getragen hat, zerrinnt wie Sand zwischen seinen Fingern. Aber er klagt. Er legt alles, was ihn bewegt vor seinen Gott und schüttet ihm sein Herz aus. Es kommt zur geistlichen Wende: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Der (Er-)löser ist einer, der einen Preis für einen verarmten Verwandten zahlt, um die Freilassung des Verwandten oder seines Eigentums zu bewirken (3.Mose 25). Im Neuen Testament wird deutlich, dass Gott selbst Mensch wird. Jesus wird der Erlöser für uns. Auch wenn du Zeiten durchleidest und Gott nur deine ganze Trauer, Wut und Enttäuschung entgegen schreien willst, dann tue es. Unser Herr hält das aus. Er ist und bleibt der Erlöser!

Ich wünsche in allen Höhen und Tiefen des Lebens, dass auch uns dieser Blick immer neu geschenkt wird

Ihr Pfarrer Ahner