Jahreslosung 2018: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6b)


Kirche Schönbrunn

300 Jahre Kirche Schönbrunn

Orgel Wolkenstein

200 Jahre Orgel Wolkenstein


Liebe Gemeinde,

„Jubiläumsjahr 2018“ – so steht es auf den Flyern, die an vielen Orten ausliegen. Wir sind mittendrin und der Höhepunkt steht vor allem in Schönbrunn unmittelbar bevor. Wir genießen unsere schöne Kirche, den majestätischen Klang der Orgel, einfach die ganze Atmosphäre in den Kirchen, in denen wir zu Hause sind, viele von uns schon seit ihrer Kindheit.

Wie kommt es eigentlich, dass Kirchen uns oft so anziehen, dass wir uns freuen, wenn wir z.B. im Urlaub auf offene Kirchentüren stoßen, dass wir uns gern mal rein setzen und die Ruhe genießen. Es scheint, als sei Gott hier gegenwärtiger als an anderen Orten. Ist das nur das künstlerische Ambiente, sind es die altehrwürdigen Gemäuer, die christlichen Bilder und Symbole? Sicher trägt das viel mit dazu bei. Doch ich denke, es ist noch mehr. Über Jahrzehnte und eben teilweise Jahrhunderte wird in unseren Kirchen unser himmlischer Vater angebetet, sein Wort gehört, mit Orgel, Posaunenchor, Gitarren und vielem mehr gelobt, seine Größe gefeiert. Ich denke, das hinterlässt auch in einem Gebäude Spuren, so wie jeder Bewohner eines Hauses auch unsichtbare Spuren hinterlässt. Und ebenso atmet eine Kirche die Gegenwart unseres Gottes. Wenn wir uns dort versammeln, sind wir ihm besonders nah.

Unser Alltag sieht oft anders aus. Manchmal fragen wir, bewusst oder auch unbewusst, wo denn Gott ist. Wir kommen uns im Getriebe des Alltags allein vor. Dabei sagt uns Gottes Wort, dass vor ihm nichts verborgen ist. Im Monatsspruch von Oktober lesen wir:

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. (Psalm 38,10)

Ja, er, unser treuer Gott, sieht uns. Gerade das, was wir manchmal vor anderen gern verbergen, was uns auch selbst nicht immer bewusst ist – er kennt es. Unsere Sehnsucht, sei es die nach Anerkennung, nach Liebe oder nach Ruhe, einem Ort der Geborgenheit – er kennt es, selbst wenn wir es selbst manchmal kaum benennen können. Das stille Seufzen, dass wir öfter überspielen, um ja nicht schwach zu erscheinen; oder auch das laute Seufzen, das sich manchmal ohne unseren Willen Bahn bricht – er weiß darum. Finden wir auch im Laufe des Tages Gelegenheit, das bei unserem himmlischen Vater abzugeben? Oder nimmt uns dazu der Tag zu schnell und zu intensiv gefangen?

Unsere wunderschönen Kirchen, Oasen der Ruhe und der Gegenwart Gottes! Wir dürfen sie nutzen, gemeinsam feiern, gemeinsam hören, gemeinsam oder auch allein still sein vor Gott – und ablegen – die sichtbare und die verborgene Last. Lassen Sie uns dieses Geschenk nutzen!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit und viel Freude und neue Impulse bei den bevorstehenden Jubiläumsfeiern.

Ihre Pfarrerin Regina Regel