Andacht

Ein Feldweg führt durch einen grünenden Acker, darüber sieht man den blauen Himmel und ein paar kleine Wölkchen.

Liebe Gemeinde,

Norbert Blüm hat vor einigen Jahrzehnten den Ausspruch gebraucht: „Die Rente ist sicher.“ Das klingt heutzutage bei redlichen Politikern ganz anders. Unserem Land steht ein großer Umbruch bevor. Das liegt schon darin begründet, dass in Deutschland viel zu wenige Kinder geboren werden. Die Weltlage sieht ja jetzt gerade nicht viel ermutigender aus. Mit Blick auf die Ukraine oder den Nahen Osten kann der Gedanke nur sein: „Herr, erbarme dich über unsere Welt.“ Das ist aber nur das große Bild der Welt. Ich nehme an, dass auch jeder Leser seine eigenen Herausforderungen zu bewältigen hat. Sei es, dass der Geldbeutel durch jene Weltlage knapper wird oder ganz persönliche Herausforderungen zu überwinden sind.

In jener Situation haben wir Christen einen Auftrag. Wir dürfen hinschauen und die Nachrichten dieser Welt hören, aber nicht permanent. Das tut auch nicht gut. Wir sollen hinhören, wo uns im Alltag Menschen begegnen, die unsere Hilfe brauchen. Und wir dürfen beten.

Der Apostel Paulus schreibt:

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! (Philipper 4,6)

Paulus ruft einige Sätze vorher zur Freude und hier zum Gebet auf. Ist Paulus ein absoluter Optimist? Sicher, aber das hat einen Grund.

Weil ich zu Jesus gehöre, habe ich eine riesige Freude in mir. Die Umstände, die ich erlebe, die machen mir immer weniger aus, weil ich mein Ziel kenne. Ich habe meinen endgültigen Platz gefunden und der ist im Himmel. Selbst wenn ich sterbe, dann habe ich keine Angst. Dann komme ich bei Jesus an. Bis es so weit ist, lebe ich mit ihm und für ihn. Ihm werde ich immer ähnlicher. Das ist die Freude meines Lebens. Daher kann ich jede Situation aushalten. Wenn ich wenig habe, kann ich zufrieden sein. Wenn ich gerade viel habe, dann bin ich Gott dafür dankbar.

Paulus ist ein großer Optimist. Sicher. Er hat eine Hoffnung in seinem Leben, die unabhängig ist von den Umständen, die ihn umgeben. Das, was zählt, ist die Verbindung mit Jesus.

Diese Verbindung hat schon bei der Taufe angefangen. Ab dann gehören wir Jesus, wie eine Rebe an einem Weinstock. Wir sollen nur noch an ihm bleiben. Ihm glauben. Ihm vertrauen. Bis zum Ende. Ich bin mit Jesus Christus verbunden. Zu ihm zu gehören, ist das Entscheidende. Dann sind die Umstände egal.

Das ist wie mit dem Wetter. Die meisten Menschen brauchen Sonnenschein. Ich liebe es, wenn die Sonne so richtig scheint. Es warm ist. Der Himmel ist blau und die Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht. Herrlich! – Sicher, es braucht auch mal Regen. Aber der Sonnenschein, der macht mich automatisch fröhlicher. Wenn die Sonne lacht, dann geht es am Tag leichter von der Hand. Dann kommt eher Freude auf.

Nun haben wir aber nicht immer Sonnentage und strahlend blauen Himmel. Es ist mal bewölkt, mal ganz trist grau.

Aber wisst ihr was? Die Sonne scheint trotzdem. Die Sonne ist ja da. Sie scheint. Es schieben sich nur Wolken davor. Die Wolken kommen und gehen. Die Sonne ist und bleibt aber da. Auch wenn wir sie nicht sehen.

Das ist für mich ein gutes Bild für unseren Glauben an Jesus. Jesus ist da und er bleibt auch da. Und wir dürfen mit ihm verbunden sein. Er ist wie die wärmende Sonne. Sie ist immer da. ER ist immer da. Es schieben sich jedoch Wolken vor die Sonne. Es gibt Umstände in unserem Leben, die die Herrlichkeit Gottes verdecken. Schwierigkeiten, Streitereien miteinander, Enttäuschungen, Stress. Da sind tausend Sachen. Die Sonne scheint. Jesus ist da. Die Wolken werden weggehen. Aber Jesus bleibt.

Das ist unsere Freude. Das ist eine tiefe Freude. Mehr als ein kurzzeitiges Gefühl, das ich bekomme, weil es schönes Wetter ist. Ich bin seit meiner Taufe mit Jesus verbunden. Das soll ich glauben.

Ich brauche Orte und Zeiten, um von der Sonne zu hören. Von Jesus zu hören. Zu hören, dass er mir nahe ist. Sonst bleibe ich mit meinen Gedanken schnell bei den Sorgen hängen.

Das Gebet ist die Hilfe, die uns trotz der momentanen Umstände die Sonne am Himmel sehen lässt. Nicht umsonst schließen wir beim Beten oft die Augen. Das ist ein Zeichen dafür, dass das, was ich hier in dieser Welt sehe, nur vorläufig ist.

Das eigentlich ist der Glaube an Jesus. Der hilft mir durch alle Gefahren hindurch.

Viel zu oft mache ich meine Sorgen und Kämpfe mit mir selber aus. Schreie und klage es nicht Gott. In jeder Lage sollen wir zu Gott beten. Nicht nur, wenn es mir gut ergeht, und nicht nur, wenn es schlecht geht. Beten ist immer richtig.

Manchmal ist das Glaubensleben wie ein Jojo. Ich bin mal näher dran, dann mal weiter weg. Das machen aber eher meine Gefühle. Ich fühle mich weit weg von Gott. Ich spüre und erlebe ihn nicht. Jesus ist aber immer gleich weit weg. Nämlich ein Gebet ist er entfernt. Er ist doch immer da. Alle Tage und in jeder Situation. Nur ich trau mich nicht oder will es nicht glauben. Der Herr ist nahe.

Lasst uns unsere Sorgen und unseren Dank zu Gott bringen. Und die Sorgen können wir getrost bei ihm lassen und darauf sehen, dass wir zu Gott gehören. Bringt Gott so lange eure Sorgen und Nöte, bis in den Herzen wieder Frieden ist. Denn Jesus ist unser Friede. Er hat den Sorgen, Ängsten und Zweifeln ein Ende gemacht. Und sein Friede ist viel mehr, als wir uns ausdenken können. Wir stehen in der Gefahr, unser Leben und unseren Glauben danach zu betrachten, was menschlich möglich ist. Bei Gott ist nichts unmöglich.

Die Sonne scheint, auch wenn Wolken da sind. Das ist die Wahrheit. Wir beten so lange, bis wir das wieder im Herzen haben. Ich bin mit Jesus verbunden. Meine Sonne lacht. Das ist meine Freude.

Ich wünsche euch eine gesegnete Zeit im Sommer, euer Pfr. Michael Ahner

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