Liebe Gemeinde,
der Herbst beinhaltet immer einen Neustart. Ein neues Schuljahr beginnt und langsam kommen alle Urlauber aus ihren Feriengebieten zurück. Das normale Leben zieht wieder ein. Ich zehre noch von einer Konferenz, die ich im Juni in Augsburg besuchen durfte. Die Überschrift dieser zweitägigen Konferenz hieß „Mission is possible“. Mission ist möglich. Es war ein ermutigender und wohltuender Austausch zwischen den verschiedenen Konfessionen und Kirchen. Es waren katholische Christen, orthodoxe Christen, Christen aus der Landeskirche und den Freikirchen anwesend. Mehrere Dinge haben mir Mut gemacht. Christen haben davon erzählt, wie sie an ihren Orten mit anderen Kirchen gemeinsame Projekte starten. Ich denke an ein Projekt im Dom von Speyer, wo die Gemeinden vor Ort aus Freikirche und katholischer Kirche sich gemeinsam mehrmals im Jahr treffen, um Gott anzubeten. Und der riesige Dom ist gut gefüllt. Menschen, die in der Stadt am Dom vorbeigehen, werden angezogen von der Atmosphäre des Singens und Betens.
In Deutschland haben wir uns daran gewöhnt: „Wir werden weniger.“ Menschen treten aus oder können mit dem Glauben nichts anfangen. Dabei ist in Westeuropa längst eine Umkehr entstanden. Die junge Generation (der 18- bis 30-Jährigen) interessiert sich wieder neu für den Glauben an Gott. Die Gottesdienstbesucher und jungen Männer in England nehmen zu, und in der katholischen Kirche in Frankreich wurden dieses Jahr an Ostern zehntausende Taufen junger Menschen gefeiert. Gott ist am Wirken. Ich will dazu einladen, dass auch wir eine Gemeinde sind, die offen auf andere Menschen zugeht und gern vom Glauben und den Erfahrungen mit Gott erzählt. Besonders will ich aber gern beten, dass sich unser Land durch das Evangelium erneuert und Menschen erfahren: Jesus Christus ist die wirkliche Freiheit, nach der sich alle Menschen sehnen.
Hierzu ein Beispiel: Ein kleiner Vogel sitzt in einem Käfig. Der Käfig ist kein besonders großer und kein besonders kleiner Käfig. Er ist der Größe des Vogels angemessen. Aber oft träumt er davon sich in Freiheit zu bewegen und zu fliegen. Dafür ist er schließlich gemacht. Der Vogel sitzt schon einige Zeit in seinem Gefängnis. Er kommt aber nicht heraus. Bis eines Tages die Tür seines Käfigs geöffnet wird. Nicht nur für eine kurze Zeit. Nein! Für immer. Nun kann der Vogel endlich in die Freiheit fliegen. Aber er zögert. „Ist die Freiheit wirklich besser oder bleibe ich in meinem Käfig sitzen, da weiß ich, was ich habe?“, fragt er sich.
Paulus schreibt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen. (Galater 5,1)
Jesus Christus hat seinen Kindern ein großes Geschenk gemacht. Er hat uns, die wir wie ein Vogel im Käfig saßen, befreit. Er hat die Tür unseres Gefängnisses weggerissen. Alle, die auf den Namen von Jesus Christus getauft sind und an ihn glauben, die erleben Freiheit. Denn sie haben ein neues Leben geschenkt bekommen. Der Himmel kann durch Jesus in das Leben einziehen. In einer Begeisterung für Jesus kann ich durch das Leben gehen, ihm folgen und das Leben genießen. In der Gewissheit: Nichts muss mich gefangen nehmen. Ich werde ewig leben, denn mein Herr Jesus ist bei mir. Die Sünde ist vergeben! Halleluja. Das ist eine wunderbare Botschaft für unser Leben. Diese Freiheit ist ein Angebot und ein Geschenk von Jesus für alle Lebensbereiche seiner Kinder. Ich darf es annehmen, Jesus vertrauen und seinem Wort glauben.
Freiheit mit Jesus Christus bedeutet aber auch gleichzeitig, dass mich nichts gefangen nehmen soll. Ich bin als Christ nicht frei von der Möglichkeit, wieder in alte Abhängigkeiten zu geraten. Da fallen einem zunächst vielleicht große Abhängigkeiten wie Süchte ein: Alkohol- und Drogensucht, …. Es gilt aber auch an die uns klein scheinenden Abhängigkeiten zu denken, die uns von Gott fernhalten. Jeder von uns ist an anderen Stellen verwundbar und das weiß der Gegenspieler Gottes, der Teufel, doch genau. Er will unsere Freiheit wieder einschränken. Indem er uns abhängig macht. Er zieht uns immer weiter von Jesus und unserem himmlischen Vater weg. Er macht uns ein schlechtes Gewissen, dass uns Gott ja sowieso nicht so sehr lieben kann, weil wir an ein und derselben Stelle immer wieder versagen. Oder vielleicht weil wir manchmal einfach komisch sind und uns selbst nicht verstehen.
Aber es kommt ja eben nicht darauf an, was wir tun, sondern was Jesus getan hat. Er ist für uns gestorben, damit uns die Sünden vergeben sind und wir befreit leben können. Und dieser Wahrheit zu vertrauen, bedeutet das kleine Wörtchen „Glaube“. Es kann ganz leicht oder manchmal auch ganz schwer sein an Jesus festzuhalten – also zu glauben. Alles mit Jesus zu teilen und ihm anzuvertrauen bringt eine wunderbare Hoffnung in unser Leben. Ich kann Jesus anvertrauen, was mich bewegt. Zum Beispiel die Erziehung und Versorgung der Kinder, meine berufliche Zukunft, die Angst vor dem nächsten Zahnarztbesuch. Jesus nimmt meine Ängste ernst und wird sie, wenn ich sie ihm anvertraue, wegnehmen und mir Frieden schenken. Denn er ist meine, er ist unsere Hoffnung.
Damit Menschen in unserem Land von Christus erfahren, tragen wir Sorge, dass unsere kirchlichen Gebäude Orte werden, in denen man Gott begegnen kann. In Schönbrunn sind wir momentan dabei, einen Raum für kleine Kinder einzubauen und Technik mit Mikrofon und Boxen in die Kirche einzubauen. Damit Menschen leichter zuhören können und auch Familien mit kleinen Kindern an den Gottesdiensten teilnehmen können. In Wolkenstein konnte eine erste Bauphase der Kirche abgeschlossen werden und nun sind wir mitten in den Planungen für weitere Baumaßnahmen. Mit einem Architekturbüro überprüfen wir gerade eine Heizungserneuerung, die Erneuerung des Daches, die Überprüfung der Statik und weitere bauliche Gegebenheiten.
All dies tun wir in der Hoffnung und mit der Zuversicht auf unseren Gott. Er hat seine Geschichte mit seiner Kirche, auch im Wandel der Zeiten. Kirche wird sich in den nächsten Jahren verändern, und wir sind auf diesem Weg aufgerufen, Menschen mit hineinzunehmen, ihre Gaben zu entdecken und ihnen zu ermöglichen sich einzubringen. Solange Menschen sich für ihre Gemeinde vor Ort engagieren und ihren Glauben leben, solange wird es die Gemeinde vor Ort geben. Manches wird sicher anders werden. Nicht alles ist eine Chance, manches auch ein Abbruch. Und doch sollen wir alles von Gott erwarten, denn er liebt seine Kirche. Er hat uns seine Sakramente geschenkt, damit wir IHM wieder und wieder begegnen. Komm auch du gern mal wieder vorbei, damit wir gemeinsam unseren Herrn suchen und anbeten. Bei Gott ist für alle Platz.
Ich wünsche euch einen gesegnete Herbstzeit, euer Pfarrer Michael Ahner
