Liebe Gemeinde,
ich hoffe, es geht Ihnen mit dem Foto genauso wie mir: es lädt ein zum Genießen. Na gut, andere hätten hier lieber einen saftigen Schinken gesehen oder ein Glas Wein. Wieder andere genießen lieber eine schöne Aussicht. Genießen ist etwas Schönes – aber: Gehört das Genießen zum Glauben mit dazu?
Der Monatsspruch für den Monat Mai ermutigt uns, das so zu sehen und hilft uns, wie wir Genießer sein können. Da schreibt der erfahrene Christ Paulus an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“ (1. Timotheus 4,4).
Hier gehören Genuss und Glaube zusammen, weil alles, was man genießen kann mit Gott in Verbindung gebracht wird: Alles, was uns umgibt, wird als Gottes gute Schöpfung hochgeschätzt. Diese Sicht muss ich manchmal neu entdecken. Die Herausforderungen des Alltags verstellen mir den Blick; die Fülle an schlechten Nachrichten machen mich taub; die Notwendigkeit mich durchsetzen zu müssen – manchmal mit Ellbogen? – lässt mich stumpfwerden: für die atemberaubenden Gaben, die Gott um uns herumgestellt hat. Oder gönne ich es mir gar nicht? Gehören wir zu den Menschen, die sich Genuss nicht erlauben, wo stattdessen der Geiz regiert? Und sei es, weil wir meinen, als Christen haben wir uns doch um die jenseitige Welt zu kümmern – um das, was bleibt?
Paulus weist seinen jungen Mitarbeiter auf das, was ihn umgibt als gute Schöpfung Gottes, die er genießen darf.
Eine Einschränkung bringt er dann aber doch: „was mit Danksagung empfangen wird.“ Damit steht der genießende Glaube nicht nur dem Geiz gegenüber, sondern auch der Gier. Die Gier nimmt sich ja alles und kennt keine Begrenzung. In der Gier greifen die Hände zu.
Der Glaube hingegen öffnet die Hände, dass sie bereit sind zu empfangen.
Wenn uns ein Postbote ein Paket bringt, so reißen wir es ihm nicht gierig aus der Hand und lehnen es auch nicht aus falschem Geiz ab – wir nehmen es an. Wie viel mehr dürfen wir die Geschenke Gottes annehmen – und damit genießen?
Ich wünsche Ihnen viele ermutigende Erlebnisse in diesen Monaten, mit denen Sie beschenkt werden und die Sie genießen können.
Ihr Pfarrer Torsten Uhlig